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Am Samstag, den 25. Juni 2016, war alles so, wie wir es uns wünschten: herrliches Wetter, tolle Stimmung, schöne Autos, ein ansprechendes Programm und perfekte Kulinarik. Wir – das waren 20 Porsche Teams (also 40 Personen) - trafen uns um 9 Uhr im Gasthof „Zum alten Jagdschloss“ in Mayerling im Helenental. Manche kamen schon deutlich früher und nahmen im malerischen Gastgarten, im Schatten alter Bäume, ihr Frühstück ein. Nach der Begrüßung der Teilnehmer wurden die Roadbooks (19 Seiten!) verteilt und einige Details dazu erklärt. Da wir vor hatten, vorwiegend unbekannte und sehr wenig befahrene Straßen und Sträßchen im südlichen Wienerwald -, Schneeberg -, Semmering - und Wechselgebiet zu befahren, waren im Roadbook auch einzelne Passagen mit genauer Kilometrierung ausgewiesen, damit (hoffentlich) wirklich niemand unterwegs verloren geht. 

Nachdem es gerade so gemütlich war, starteten wir erst um 9:45 (mit 15 minütiger Verspätung laut Zeitplan) und hatten damit die eingeplante Reserve bereits aufgebraucht. Da aber an diesem Samstag wirklich wenig Verkehr war und allerbeste Verhältnisse herrschten, war das kein Problem. 

Wolfgang Turecek, der die Ausfahrt organisiert hatte, fuhr im geduldeten weißen „Nicht – Oldtimer“ voran und versuchte das Tempo so zu dosieren, dass einerseits keine Langeweile aufkam, aber andererseits niemand abgehängt wurde. Wir verließen also in Mayerling das Helenental und überquerten gleich den ersten „Pass“ auf der Route Maria Raisenmarkt, Schwarzensee, Neuhaus und waren in Weißenbach bereits im Triestingtal. Weiter ging es nach Pottenstein und von dort über den allseits bekannten „Hals“ in das Piestingtal nach Pernitz. Auch Pernitz wurde kurzerhand durchquert und wir fuhren auf einer weitgehend unbekannten Verbindungsstraße über den Ort Waidmannsfeld Richtung L 138. Auf dieser Route konnten wir herrliche Ausblicke in das Voralpengebiet genießen, bewältigten 180 Grad – Serpentinen und genossen das Porschefahren. Anschließend bewegten wir uns auf der L 138 über Miesenbach und den „Ascher“ nach Puchberg. Hier, nach rund 49 km, hatten wir eine erste Pause im „Schneeberghof“ wo wir in angenehmer Atmosphäre einen Imbiss konsumierten und uns auf die kommende 2. Etappe konzentrieren konnten. 

Gegen 11:15 Uhr ging es dann los Richtung Neunkirchen. Bei der Ortstafel Stixenstein stellten wir  unsere Kilometerzähler auf Null und die Navigation nach Roadbook begann. Der Einstieg in unsere Route war vielleicht etwas heikel, aber nachdem die Teams auch im Roadbook „Güterweg Ambach“ lesen konnten, musste man wohl richtig sein. Einspurig, bestens asphaltiert über die Wiesen ohne Gegenverkehr – was will man mehr? Auch Glück gehört dazu! Viele der Teilnehmer hatten von den Ortschaften auf unserer Strecke noch nie gehört: Bürg, Prigglitz, Auf der Wiese, Schlöglmühl, usw. Das bedeutet aber: kein Durchzugsverkehr (außer uns), einsame Ortschaften, viel Weidevieh, Ausblicke in die Adlitzgräben, bergauf / bergab und viel, viel Lenkradarbeit. Für manche überraschend, fanden wir uns nach so viel „Wildnis“ plötzlich in der „Zivilisation“, nämlich in Payerbach wieder. Nur weg aus der Stadt: wir verließen das Semmeringgebiet und es ging auf neu asphaltierter Bergstraße über Klamm Richtung Kirchberg am Wechsel. Nachdem wir inzwischen in unserem zweiten Teilstück 55 km zurückgelegt hatten, trafen wir bei unserem ersten Besichtigungsziel, der „Hermannshöhle“ ein.

Diese größte Tropfsteinhöhle in Niederösterreich, ist nach ihrem Erforscher Hermann Steiger, der sie 1843 genauer untersuchte, benannt. Anlässlich der Anmeldung unserer Gruppe wurde mitgeteilt, in der Höhle hätte es 8 °C und es sind 250 Stufen zu bewältigen. Dies bewog einige unserer Teilnehmer diesen Programmpunkt auszulassen und gleich zum Mittagessen weiter zu fahren. Die große Mehrzahl hatte aber vorgesorgt, warme Jacken und feste Schuhe angezogen und es konnte losgehen. Nach ca. 200 Meter Wanderung bergauf waren wir beim Höhleneingang, wo wir bereits erwartet wurden. Unsere Gruppe wurde geteilt und zwei äußerst sachkundige Führer marschierten mit ihrer jeweiligen Gruppe los. In der Höhle war es zuerst einmal kalt – die Jacken brauchte man. Da es aber draußen bereits an die 30 °C hatte, empfand man das gar nicht so besonders unangenehm. In der Höhle bewegte man sich außerdem langsam aber stetig bergauf und es wurde immer wärmer. Ich habe nicht gezählt, aber 250 Stufen waren das kaum. Die Höhle war gut beleuchtet, der Boden betoniert aber feucht. Wie der Name sagt: es tropfte bisweilen. Wir erfuhren das Wesentliche über Höhlen dieser Art, über den Kalkstein, die Entstehung der Tropfsteine, usw. Alle Räume der Höhle haben Namen, im Zentrum ist der „Große Dom“ mit 20 Meter Höhe. Leider sahen wir nur zwei Fledermäuse. Die Führung dauerte ca. 50 Minuten und wir kamen 40 Meter über dem Eingang durch das „Taubenloch“ wieder ans Tageslicht. Nach dem Marsch zum Parkplatz fuhren wir die 4 km auf hervorragender Straße mit vielen übersichtlichen Kurven, rasant bergauf zum Mittagessen beim „Ramswirt“.

Es ist immer wieder beeindruckend, wie es die Familie Pichler (= Ramswirt) schafft, so viele Gäste in kurzer Zeit bei hervorragender Qualität von Speisen und Service à la carte zufrieden zu stellen. Es waren ja auch Autobusse hier – egal für uns, wir saßen draußen unter den Sonnenschirmen.

Für den nächsten Abschnitt unserer Ausfahrt wurde wieder das Roadbook bemüht, der Kilometerzähler auf Null gestellt und die nächsten 74 km in Angriff genommen. Die Route führte über Hochegg (Zufall?) wo uns bereits unser langjähriger Präsident Josef Rosner erwartete. Josef,
ist einige Zeit hier auf Kur und wir trafen ihn in blendender Laune vor einem Gasthof mit Parkplatz und Livemusik. Das Wiedersehen mit unserem langjährigen Freund gestaltete sich äußerst herzlich und es gab von beiden Seiten viel zu berichten. 

Nach ca. 30 Minuten ging es weiter über Grimmenstein nach Edlitz, wo wir in die „Panoramastraße“ abbogen. Diese Straße ist recht unbekannt – vor allem auch deswegen, weil die Abzweigung sehr schmal und der Wegweiser durch einen Baum verstellt ist. Aber im Roadbook war das genau vermerkt. Diese Straße ist 1 ½ Spuren breit, führt in Serpentinen erst steil bergauf und dann lange einen Grat entlang mit Ausblicken nach Norden bis Wr. Neustadt und nach Süden in das Wechselgebiet. Die Straße endet in Kaltenberg, wo auch die Wallfahrtskirche „Maria Schnee“ zu sehen war. Jetzt wendete sich die Route nach Norden und wir erreichten über Bromberg und Bad Erlach die Autobahn A2. Diese Vereinfachung der Route ersparte uns im Flachland Ortsdurchfahren, Ampeln und Stau und wir erreichten über die Abfahrt Bad Vöslau gegen 16:30 Uhr unser nächstes Ziel, den Flughafen Bad Vöslau.

Dort wurden wir bereits von einem besonderen Oldtimer Club erwartet: das „Austrian Aviation Museum“ ist ein Verein flugbegeisterter Fachleute, die sich mit der Restauration historischer und erhaltungswürdiger Flugzeuge beschäftigen. Unter den Mitgliedern sind Flugkapitäne - aktiv oder im Ruhestand - einige haben die Zertifizierung zum Flugzeugmechaniker und es werden Scheunenfunde „der anderen Art“ als wir es gewohnt sind, wieder zum Leben erweckt. Wir fuhren hinter einem Fahrzeug des AAM im kompakten Konvoi quer über den Flughafen, kreuzten dabei eine Lande – und Startbahn und nahmen mit unseren Porsches vor dem Hangar des Clubs Aufstellung. Zwei Vorstandsmitglieder, Hr. Franz List (ist schon über 60 verschiedene Flugzeug - Typen geflogen) und Hr. Benno Beran, führten uns durch ihr Reich und erklärten eine Fülle interessanter Einzelheiten. Im Vergleich zu Kfz – Oldtimern, sind die Sicherheitsvorschriften in der Luftfahrt ungleich strenger. Es werden bis zu 70 Jahre alte Maschinen perfekt wieder aufgebaut, entsprechen alle modernen Anforderungen und werden regelmäßig geflogen. Manchen Maschinen wird sogar Kunstflug – Tauglichkeit bescheinigt! Nach Voranmeldung und bei Schönwetter werden auch Rundflüge für Gäste angeboten! Nachdem wir uns für diesen interessanten Ausflug in die Fliegerei bedankt hatten, nahmen wir die letzten 6 km unserer Ausfahrt unter die Räder um den mittlerweile unangenehmen Flüssigkeitsmangel (ca. 30 °C) sowie unseren Hunger zu bekämpfen.

Gegen 17:45 Uhr trafen wir in Schönau an der Triesting in der „Mühlsteinstube“ ein. Wer noch nicht dort war, findet es kaum. Schönau ist ein Ortsteil von Leobersdorf, man fährt ans Ende der Dornauer Straße, die dort nicht mehr asphaltiert ist, überquert einen Bahnübergang zwischen Feldern, eine winzige Brücke und fährt durch eine schmale Einfahrt in die „Kunstmühle Dornau“. Dort im Innenhof hatten unsere Porsches Platz, wir waren auf 6er -Tischen unter Sonnenschirmen vorzüglich untergebracht, konnten kreuz und quer plaudern und genossen frischen gegrillten Fisch (aus der angrenzenden Fischzucht), das Beste vom Rind, kühles Murauer Bier und erlesene Weine.

Das war der Abschluss unserer Ausfahrt. Meiner Meinung war es sehr gelungen, was mir auch die vielen positiven Feedbacks bestätigten. Alles war perfekt geplant, die größte Sorge war ein mögliches Gewitter. Aber da hatten wir Glück - das braucht man einfach an einem heißen Sommertag im Semmering – Wechselgebiet.

gez. Wolfgang Turecek
„Der Sekretär“

Text und Bilder: Copyright Porsche Classic Club Austria 2016