Für die meisten Bewohner der westlichen Welt (und auch einen nicht unerheblichen Teil des asiatischen Kontinents) – genauso wie für mich – gilt Salzburg („Salzbulg") als Eldorado der Mozart-Fans. Daß Salzburg neben Mozart-Kugeln und „Kleiner Nachtmusik" aber auch etwas für Motorsport-Freunde bietet, davon konnte ich mich am Pfingst-Samstag am nahen Salzburg-Ring überzeugen.

Bereits am Freitag traf sich ein Großteil der Teilnehmer im Landgasthof Holznerwirt in Eugendorf, mit dem der PC Berchtesgaden eine gute Wahl getroffen hat. Sowohl Unterkunft als auch Verpflegung waren erste Sahne!

Am Parkplatz erfolgte die Technische Abnahme durch die DMSB-Sportkommissare, bei der - bis auf die Motorraum-Innenbeleuchtung – jedes kleinste Detail überprüft wird. Der anschließende gesellige Abend dient dazu, sich und sein Fahrzeug ins beste Licht zu setzen.

Endlich Samstag!

Trotz katastrophaler Vorhersage mit „Schnürlregen" und Schneefall bis auf Meereshöhe beginnt der Samstag trocken und für die Frühaufsteher unter den Teilnehmern sogar sonnig.

Der Kurs liegt herrlich versteckt mitten im Grünen (sind alle Porsche-Fahrer auch Pfadfinder?), und während die Sportkommissare noch die letzten Autos abnehmen, sind die Ersten – die es gar nicht erwarten können – schon auf dem Kurs, denn bis zum PC-Fahrtraining um neun Uhr ist Freies Fahren angesagt. Die beste Möglichkeit, den Kurs, sein Gefährt sowie diverse Mücken (und zwar auf der Frontscheibe) näher kennen zu lernen.

Dann ist’s auch schon 9 Uhr, und die große Stunde der Porsche-Neulinge ist gekommen. Noch recht verhalten und wie an der Schnur gezogen fahren die Teilnehmer des neuen PC-Fahrtrainings aus der Boxengasse hinter dem Instructor auf die Strecke. Für die meisten ist es das erste Mal (...) – daß sie auf einer abgesperrten Rennstrecke unterwegs sind. Auch der Freund von Inka aus Neu-Ulm mit seinem 911er ist dabei. Sie hat ihm die Teilnahme am Fahrtraining zu Weihnachten geschenkt und ist – ebenso wie ihr Freund – hellauf begeistert. Auch die anderen „Newcomer" werden von Runde zu Runde sicherer, und bald befindet sich der Instructor am Ende des Feldes. Aber das ist ja auch beabsichtigt: jeder soll die Möglichkeit erhalten, seine Grenzen – und die seines Porsche – in einer sicheren Umgebung zu erfahren. Und dann ist da natürlich auch noch die Gruppendynamik, die den einen oder anderen schon mal etwas forscher um die Kurve blasen läßt, als er das normalerweise tun würde!

Währenddessen bereiten sich die Herren der ClubSport- und SuperSport-Serien auf ihre ersten Gleichmäßigkeitsprüfungen vor. Jeweils 12 Runden möglichst konstant gilt es zu fahren. Das Wetter ist immer noch ideal (zum Porschefahren zumindest!), trocken und nicht zu warm. Nachdem sich bereits im ersten Freien Fahren ein Porsche in’s Kiesbett gegraben hatte, aus dem er erst nach einer Unterbrechung geborgen werden konnte, wurde die Zeit vor der Mittagspause reichlich knapp. Deswegen wurde das 2. Freie Fahren gestrichen, und nach dem zweiten PC-Fahrtraining ruhte der Rennbetrieb für 90 Minuten. Zeit für Schnitzel und Almdudler, und das sogar in der Sonne!

Trotzdem waren alle wieder pünktlich um 13.30 Uhr in der Boxengasse, um den Start des Fahrtrainings – diesmal „Freies Fahren"! – zu beobachten. Naja, hier und da wurde noch eine Scheibe poliert oder der Motor noch etwas „fetter" gedreht (sicher ist sicher), damit im anschließenden „Qualifying" auch genügend Schub vorhanden ist.

Und nachdem die Jagd auf die erste Startposition der SuperSport-Serie gelaufen war, wurden die Fahrer in der Fahrerbesprechung nochmals auf die sich ändernden Streckenverhältnisse (jaja, der „Schnürlregen"...) aufmerksam gemacht.

Kurze Zeit später erfolgte die Einführungsrunde – eigentlich waren’s diesmal zwei, weil irgend jemand, und nicht gesehen, und na ja... Aber dann wurde der Start doch noch freigegeben, und das große Finale war im Nu in vollem Gange. 12 Runden lang wurde herrlicher Motorsport gezeigt, sportlich faires Verhalten in jeder Situation.

Und daß die Fahrer anschließend nicht vom Angstschweiß so durchgeweicht sind, sondern weil die da echt hinlangen müssen, davon konnte ich mich im abschließenden Freien Fahren während einiger Runden (es waren meine ersten...!) auf dem Beifahrersitz eines erfahrenen SuperSport-Fahrers überzeugen. Die Beschleunigung katapultiert das Fahrzeug aus der Boxengasse auf den Kurs. Ständiges Schalten erzeugt Schub ohne Ende. Schikane. Die Bremsen verzögern so stark, daß ich mich im Beifahrersitz kurzzeitig wie Reinhold Messner in der Eiger-Nordwand einspreizen muß. Der geliehene Helm sitzt zum Glück perfekt, das Mittagessen ebenfalls. Über die „Curbs", auf die erste scharfe Rechtskurve zu. Irgendwie fliegt alles an mir vorbei. Im Kampf mit der Fliehkraft um die Kehre. Gleich wieder schalten, die Beine tanzen über die Pedale. Im schwitze schon beim Zuschauen, was leistet dann erst der Fahrer?! Wieder eine scharfe Rechtskurve („die fahren wir im Rennen voll" – kann ich gar nicht glauben...), und dann kommt die Schikane. Links, rechts, Boxeneinfahrt. Irre. Wie in Trance steige ich aus. Ja, immer besser verstehe ich den Reiz, den dieses Auto auf Leute ausübt!

Dank dem Regen komme ich aber doch zurück in die Gegenwart. Bleibt eigentlich nur noch zu sagen, daß dieser Tag wieder ein absolutes Highlight im PC-Kalender war – dem PC Berchtesgaden sei Dank.

Ich wünsche Euch allen „Gute Fahrt" und freu’ mich schon auf’s nächste Mal (da bring’ ich dann meinen eigenen Helm mit!)!

Euer Zuffi