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Zeltweg, 28. Juli 2000, 06.30 Uhr:

schlaftrunkene Gestalten wanken durch die Gänge des Hotel Verde, einige davon brauchen ihre volle Konzentration, um die Kaffeetasse in einer geeigneten Form an die Lippen zu führen, damit das braune Gebräu auch in adäquater Form die Gurgel hinunterfließen kann. Was auch keinen Unterschied macht, weil der Kaffe nicht geeignet ist, Tote zu erwecken.

07.00 Uhr: Plötzlich kommt Leben in die verschlafene Truppe: Wie ein Mann stehen die Anwesenden auf und streben dem Ausgang zu. Kurz darauf werden die wenigen, die zurückgeblieben sind, aus ihrer morgendlichen Lethargie gerissen, wie es der Kaffee bis dahin nicht vermocht hatte, nämlich als ein paar tausend PS auf dem Hotelparkplatz aufröhren. Die wenigen armen Schweine, die im Hotel Verde übernachtet haben und nicht dem Porsche Club Classico angehört haben, werden uns kaum in guter Erinnerung behalten. Sorry.

07.15 Uhr: Dieselben Gestalten, die vor wenigen Minuten noch ernsthafte Schwierigkeiten hatten, einer steirischen Semmel Herr zu werden, handhaben plötzlich problemlos diverses Werkzeug, montieren Zeitmesser etc. Was auf dem Hotelparkplatz ziemlich auffällig war, scheint hier ganz normal zu sein, Kunststück, der A1-Ring ist schließlich jährlicher Fixpunkt im Veranstaltungskalender des PC Classico.

Den Termin, an dem man die Veranstaltung durchführen möchte, kann man sich aussuchen, das Wetter leider nicht – so kommt es, dass beim Frühstück noch alle hoffen, dass die Wolken sich in eine andere Richtung verziehen werden, was natürlich nicht der Fall ist: kaum treffen die Teilnehmer am Ring ein und stellen sich zur technischen Abnahme an, bricht ein Regenguss los, der sich den ganzen Tag nicht mehr verziehen wird. Es sei nur so viel gesagt: Salzburger Schnürlregen ist nichts gegen einen soliden steirischen Dauerguss.
Seltsamerweise tut das schlechte Wetter der heiteren, erwartungsvollen Stimmung der Teilnehmer keinen Abbruch, in der Abnahmebox rennt der Schmäh, der Zeitplan kommt auch nicht durcheinander, Punkt 08.15 Uhr erfolgt wie angekündigt die offizielle Begrüßung der Teilnehmer und die Fahrerbesprechung. Man sollte meinen, dass sich eh schon alle kennen, schließlich sind die meisten schon seit Jahren dabei, aber es kommen doch jährlich immer wieder neue Teilnehmer und Mitglieder dazu, so dass diesmal die stolze, nie da gewesene Zahl von 83 Teilnehmer erwartungsvoll an den Lippen von unserem Präsidenten Joachim Kolesch hängen, was einigermaßen schwer fällt, da er diese angesichts der Massen hinter einem Megaphon verbergen muss, sonst hören ihn die in den hinteren Reihen nicht mehr.

Die bewährte Mannschaft des PC Classico weiß zwar mittlerweile mit dem Ansturm der Massen umzugehen, aber es kommt doch immer wieder zu erheiternden Szenen am Rande des Geschehens. Als Wolfgang „Staudi" Staudacher, der unglücklicherweise zur Zeit über kein einsatzfähiges Rennauto verfügt, aber ohne die benzingetränkte Luft der Rennstrecke nicht mehr leben kann, die versammelte Porsche-Anhängerschaft auffordert, die Fahrer-Besprechungs-Liste zu unterschreiben, die er in Händen hält, wünschte er sich im nächsten Augenblick sicher, nicht das Megaphon benutzt zu haben, damit es alle eh ganz sicher hören. Man konnte unschwer feststellen, dass Porschefahrer über gute Reaktion verfügen und gewohnt sind, zielstrebig zu handeln, also ging unser guter Staudi wortlos (ein für ihn ungewohnter Zustand) in der Menge unter und tauchte erst Minuten später leicht mitgenommen, aber mit einer vollständig ausgefüllten Liste in der Hand, wieder auf. Daraufhin beschloss er, sich lieber ein ruhigeres Plätzchen zu suchen, und verbrachte den Rest des Tages selig am lautesten Ort des Geschehens, nämlich der Boxenausfahrt, wo er von dröhnenden Motoren umgeben wie der berühmte Zerberus darüber wachte, dass auch immer nur diejenigen Autos auf die Strecke fuhren, die laut Zeitplan auch tatsächlich d’ran waren.
Viel Schwierigkeiten gab es in dieser Hinsicht nicht, die Teilnehmer waren bemerkenswert diszipliniert, anders wäre es kaum möglich gewesen, die Veranstaltung trotz des den ganzen Tag ohne Unterbrechung strömenden Regens zeitgerecht über die Bühne zu bekommen. Dem Ehrgeiz tat das englische Wetter keinen Abbruch, aber die Fahrer hatten doch ihre Autos so gut im Griff, dass trotz einiger heißer Duelle keine gröberen Schäden entstanden. Die wenigen Ausritte ins Kiesbett übertraten die Zahl derer, die bei strahlendem Sonnenschein stattfinden, bei weitem nicht, allerdings waren die Umstände manchmal etwas seltsamer. So wunderte sich so mancher Zuschauer, wie die Nr. 21 gewusst haben konnte, dass er in der steirischen Botanik landen würde, denn warum sonst hätte er wohl eine Regenjacke mitgeführt, die er sich in aller Seelenruhe überzog und so ausgerüstet auf den Wagen des Streckendienstes wartete, der ihn letztendlich aus seiner misslichen Lage befreite?

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