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Die Alpensaga

Dijon im französischen Burgund. Einst kämpften hier Niki Lauda und James Hunt um den Sieg. Wie damals schmiegt sich die Rennstrecke in die hügelige Landschaft. Schon aus der Entfernung ist das Grollen verschiedener Renn-911er im Wechsel mit dem Pfeifen eines Serien-Biturbos zu hören. So verschiedene Porsche zur gleichen Zeit auf einer Rennstrecke?
Die Porsche-Clubs Vierseenland und die österreichischen Freunde aus Vorarlberg luden ein zum ersten Lauf des Alpenpokal 2000. Der Name der Motorsportserie ist irreführend – der Alpenpokal schaut auch in die Ebene: Er gastiert sogar im italienischen Misano, im tschechischen Brünn oder hier im französischen Dijon. Natürlich werden auch die Rennstrecken wie Hockenheim-, Salzburg- oder auch der A1-Ring unter die Räder genommen. In dieser beliebten Serie ist Abwechslung garantiert – bei unerreicht geringen Einsatzkosten.
Ein strenges Reglement garantiert trotz des bunten Starterfelds die Chancengleichheit innerhalb der einzelnen Klassen. Die Zauberwörter heißen "korrigiertes Leistungsgewicht", also die Kilogramm, die jedes Kilowatt (PS) auf Trab bringen muss. In sechs Klassen eingeteilt, können somit sowohl Serienmodelle wie auch reinrassige Cup- oder GT-Wagen miteinander starten. Veränderungen gegenüber dem Serienstandard werden mit einem fest vorgeschriebenen Faktor belegt. Wer zum Beispiel breitere Reifen montiert hat, verbessert seine Wettbewerbsfähigkeit und somit sein Leistungsgewicht – und rutscht damit eventuell in die nächst höhere Klasse.
Alle Porsche, egal ob Serienmodell oder 911 GT 2, rollen zudem auf Straßenreifen an den Start. Das reduziert den Kosten- und Transportaufwand. Die meisten Fahrer kommen sogar "auf Achse" zu den Veranstaltungen. Im Feld findet sich alles, was vier Räder hat, als "Geburtsort" Zuffenhausen angeben kann und darauf wartet, beherzt bewegt zu werden – also praktisch jeder Porsche-Typ. Damit das Fahrzeuggewicht exakt ermittelt wird, rollen alle Porsche bei der technischen Abnahme auf eine mobile Waage. Das hier angezeigte Gewicht darf während der gesamten Veranstaltung nicht mehr unterschritten werden. Mit stichprobenartigen Kontrollen überprüft man die Einhaltung des Reglements.
Beim freien Fahren vor den Wettbewerben hat dann jeder Fahrer Zeit, sich mit der Rennstrecke anzufreunden und sie zu "erfahren". Auch die Möglichkeit einen Beifahrer mitzunehmen ist für Einsteiger ein unschätzbarer Vorteil – immer findet sich ein erfahrener Fahrer, der einem gute Tipps für die Ideallinie geben kann. Oder man nutzt einfach die Gelegenheit, die "Faszination Porsche" einem Gast einmal ganz hautnah zu vermitteln.
Der Alpenpokal wird in zwei verschiedene Serien unterteilt. In den Gleichmäßigkeitsfahrten zur "ClubSport"-Wertung wird die Abweichung zwischen der Rundenzeit einer Referenzrunde innerhalb einer bestimmten Rundenanzahl ermittelt. In dieser Klasse ist der Aufwand am geringsten. Auch Serienmodelle haben gute Chancen auf den Sieg. Bei der Jagd nach konstanten Zeiten sind Überrollbügel und Sechspunkt-Sicherheitsgurte zwar empfohlen, aber nicht Pflicht. Auch eine Lizenz ist hierfür nicht nötig.
Der Einstieg in diese Serie ist also denkbar kostengünstig. In den letzten beiden Jahren war der Münchner Andy Gassner Gesamtsieger des Alpenpokal. Sein Geheimnis gibt er gern preis: "Konstant ein Stück unterhalb des Limits zu fahren ist sicher am besten, dann hat man noch Reserven. Auch die Schaltpunkte muss man sich genau merken, dann kann man noch ein wenig ausgleichen." Wer seine Tricks so offen ausspricht, ist sich gleichwohl sicher, dass die Umsetzung nicht so einfach ist. Selbst wer eine Stoppuhr mit auf die Reise nehmen würde – was natürlich verboten ist –, könnte nicht so genau nach der abgelesenen Zeit fahren, wie die besten Fahrer ihre Runden ziehen. Die "SuperSport" genannten Wettbewerbe sind als Fahrprüfungen ausgeschrieben. Hier geht es sehr spannend zur Sache: Nur wer einen Überrollbügel und einen Feuerlöscher an Bord hat, darf zur Fahrprüfung antreten. Über rund 60 Kilometer werden die Sieger der einzelnen Klassen ermittelt. Vor allem das Fahren mit Serienreifen erfordert eine gute Einteilung der Fahrprüfung. Eine Tageslizenz reicht für die Fahrt im SuperSport – einfacher lässt sich Rennatmosphäre wohl nicht erleben.

Die Faszination des Alpenpokal liegt sicher in der Vielzahl der verschiedenen Fahrzeuge, die am Start sind. Immer findet sich ein passender Gegner, auf den man aufholen oder zusammen die Strecke umrunden kann. Bei all dem Sport wird natürlich auch die Geselligkeit ganz groß geschrieben. An schönen Rennstrecken finden sich immer schöne Hotels und allein die abendliche Siegerehrung ist wegen des schönen Ambiente immer ein Erlebnis. In Dijon, wie auch in Misano, Brünn und am A1-Ring…

Daniel Roeseler

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